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Etikettenschwindel in Kassel?

10. November 2007

windpark.jpgKürzlich berichteten eine Reihe von Zeitungen u.a. die taz und die Zeit, dass nun Kassel als erste deutsche Großstadt ihre Bürgerinnen ausschließlich mit Ökostrom beliefere. Doch was ist wirklich dran an dieser Geschichte? Sind die Stadtwerke Kassel ein grünes Vorbild für die vielen anderen deutschen Stadtwerke?

Natürlich ist es symbolisch ein schönes Ereignis, wenn ein regionaler Energieversorger seine Kunden mit sauberem Strom beliefert. Doch die vollmundige Ankündigung der Stadtwerke in Kassel hat gleich mehrere Haken:

Erstens werden nicht alle Kunden der Stadtwerke mit „sauberem“ Strom beliefert, sondern nur die Privatkunden. Für die Geschäftskunden (also etwa die Hälfte aller Kunden) bleibt alles beim alten.

Zweitens werden die Stadtwerke nicht wirklich zusätzlichen Ökostrom in das Netz einspeisen, sondern lediglich RECS-Zertifikate für ihren Strom einkaufen. Das RECS ist ein System zum Handel mit Erneuerbaren Energien. Gehandelt wird allerdings nicht der physikalische Strom, sondern nur dessen Umweltnutzen. Beides kann vom Erzeuger getrennt verkauft werden. Der Strom der Kasseler Bürger wird somit weiterhin überwiegend in dreckigen Kraftwerken von Eon & Co produziert. Einziger Vorteil: ein Erzeuger von Erneuerbaren Energien profitiert von dem Zukauf der RECS-Zertifikate und kann daher rentabler produzieren.

Drittens erstehen die Stadtwerke die RECS-Zertifikate bei Vattenfall, welcher nicht gerade der Prototyp eines Ökostromanbieters ist. Im Gegenteil: Vattenfall gehört in die Kategorie „Energieriesen“ und ist, oh Wunder, auch bereits an den Stadtwerken in Kassel beteiligt. Schlagzeilen machte der Konzern in der letzten Zeit vor allem durch Pannen in AKWs, die Planung neuer Kohlekraftwerke, steigende Preise und in der Folge den Verlust von 200.000 Kunden in Deutschland.

Dezentrale Strukturen, die auch mehr Versorgungssicherheit bringen sowie reale Investitionen in solare Technologien werden durch den „Wechsel“ in Kassel also nicht entstehen. Genau dies wäre aber notwendig.

Die Städte und Komunen sollten mehr Klimaschutz wagen und zu richtigen Ökostromanbietern wechseln oder in dezentrale Strukturen der sauberen Energieerzeugung investieren. Die Stromrebellen aus Schönau und andere fortschrittliche Komunen stellen die Meßlatte dar – nicht Kassel!

Weitere Infos zu RECS findet ihr hier. Infos zum echten Wechsel gibt es hier.

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