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Climate justice now!

8. Dezember 2007

„Der Klimawandel hat lebensbedrohlich Folgen für den Süden. Während die Delegierten da drin verhandeln, sterben täglich Menschen auf Grund der Folgen des Klimawandels“, Torry von WALHI, der indonesischen Partnerorganisation des BUND ist sichtlich bewegt. Er hält nichts von dem Konferenzzirkus, den die UNO veranstaltet. Minderungsziele und Finanzmittel für Anpassungsmaßnahmen seien nur ein kleiner Teil der Lösung. Um Klimagerechtigkeit herzustellen, müsse sich die Welt grundlegend ändern. Das fange bei unseren Konsumverhalten an und endete bei den internationalen Handelsbeziehungen.

Darum ist er heute auf die Straße gegangen um mit 2000 anderen Menschen für mehr Gerechtigkeit zu demonstrieren. Der Ort der zentralen Kundgebungen trägt einen symbolischen Namen: Der Puputan-Park in Denpasar erinnert an den kollektiven Suizid König von Badungs und seiner gesamten Gefolgschaft (Puputan= ritueller Selbstmord). Als sie erkannten, dass sie die alles entscheidende Schlacht gegen die Kolonialmacht Holland verlieren würden, nahmen sie sich das Leben.

Ganz so aussichtslos ist die Situation, in der wir uns jetzt befinden wohl nicht. Der letzte IPCC-Bericht gibt uns Hoffnung. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren das Ruder rumreißen, werden wir es wahrscheinlich noch schaffen, den Klimawandel aufzuhalten. Dafür müssen wir in der Tat mehr tun, als Minderungsziele zuzusagen. Wir müssen neue Wege beschreiten und alte ausgetretene Pfade endlich verlassen. Und wir müssen aufpassen, dass wir nicht falschen Lösungen aufsitzen. Statt die zur Verfügung stehenden Forschungsmittel in die so genannte saubere Kohlekraft (CO2-Abscheidung und Verpressung/Carbon Capture and Storrage=CCS) zu stecken, sollten wir die Entwicklung von Erneuerbaren ausweiten. Und auch der Agrokraftstoff-Hype führt in die falsche Richtung. Statt jetzt eine Konkurrenz zwischen Lebensmittel- und Kraftstoffproduktion zu provozieren, sollten wir endlich unseren Kraftstoffkonsum drosseln. Je mehr Agrokraftstoffe auf dem Markt sind, desto geringer ist die Chance, dass das Drei-Liter-Auto endlich kommt. Wir brauchen eine Energierevolution, weg von Atom- und Kohlekraft, hin zu erneuerbaren Energien und einem hohen Grad an Energieeffizienz. Außerdem müssen wir viele Verhaltensmuster ändern. Strom effizienter nutzen ist nur eine Seite der Medaille. Energie gar nicht erst zu verbrauchen bringt noch mehr.

Torry erzählt, dass Indonesien schon heute unter den Folgen des Klimawandels leidet. Einerseits nimmt die Niederschlagsmenge ab, andererseits kommt der Regen oft so plötzlich und heftig, dass die Hauptstadt Jarkarta und andere Orte regelmäßig überflutet werden. Die Ernteeinnahmen nehmen auf Grund der instabilen Wetterlage ab und die Wirtschaftsstabilität ist bedroht.
Angesichts der Bedrohung, ist es wirklich erstaunlich, mit wie viel Witz, Kreativität und Freude unsere Freunde hier auf Bali für ihr Anliegen kämpfen. Ich hoffe sehr, dass Ihr in Berlin und Neurath genauso engagiert bei der Sache seid und damit ein starkes Zeichen nach Bali sendet!

Antje von Broock ist Referentin für Internationale Umweltpolitik bei der Attac-Mitgliedsorganisation BUND und berichtet live aus Bali.

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