Archive for Februar 2008

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Kein Fisch mehr im Netz

27. Februar 2008

Nicht erst seit die Diskussion um die Nahrungsmittelkonkurrenz von sog. Biokraftstoffen Auftrieb erhalten hat ist klar geworden, wie sehr der Klimawandel in all seinen Facetten das elementarste Grundbedürfnis der Menschheit gefährdet. Nun kommt eine Studie der UNEP zu dem Schluss, dass auch die Nahrung aus dem Meer knapp wird.

Durch den Klimawandel versauern die Meere als direkte Folge der erhöhten CO2-Konzentration. Korallenriffe sterben durch den höheren Säuregehalt ab und können so Fischen und anderen Meerestieren keinen Lebensraum mehr bieten. Auch die erhöhten Wassertemperaturen tragen zum Niedergang der aus kalk bestehenden Korallenriffe bei. Muscheln und andere Schalentieren können ebenfalls nicht in saurem überleben – so entstehen Lücken in der Nahrungskette, was massives Artensterben zur Folge hat. Mit dem Klimawandel werden aber auch die großen Meeresströmungen verändert. Bleiben diese „Umwälzsysteme“, die nahrungsreiches Wasser liefern, aber aus, werden drei viertel der weltweiten Fischgründe ernsthaft gefährdet.

Durch das parallele Auftreten von Klimawandel, Küstenverschmutzung und Überfischung sind jetzt schon 10-15 Prozent der Weltmeerregionen stark geschädigt. Tendenz bis 2050: 90 Prozent.

„Imagine what will happen if climate change slows down or stops these natural food transport and „flushing“ effects in waters that are often already polluted, heavily fished, damaged and stressed. We are gambling with our food supply“ warnt Christian Nellemann vom Uno-Umweltprogramm Unep.

Die Folgen wären verheerend: Etwa 2,6 Milliarden Menschen ernähren sich weltweit hauptsächlich von Fisch.

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Glos rüttelt wieder am Atomausstieg

21. Februar 2008

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos setzt sich wieder einmal für eine stärkere Gewichtung von Atom- und Kohlestrom in Deutschlands Energiemix ein. „Wir wollen die Energiepolitik wieder versachlichen“ meinte der ehemalige Vorstand der E.ON Bayern-AG am Mittwoch in Berlin – und ließ keinen Zweifel an seiner Meinung über die Klimabeschlüsse des letzten Jahres: 2007 habe der Klimawandel im Fokus gestanden, nun müsse aber auf wirklichkeitsfremde Annahmen verzichtet werden. Mit anderen Worten: 2007 war nur Schaumschlägerei, jetzt geht’s richig los mit der Atom- und Kohlekraft!

„Besorgniserregend“ bezeichnet Glos denn auch den wachsenden Widerstand gegen den Neubau von Kohlekraftwerken sowie den Widerstand der SPD gegen eine Abkehr vom Atomausstieg. Die SPD allerdings liebäugelt ebenfalls mit der Kohlekraft.Glos moniert gleichzeitig die EU-Klimaschutzpläne. Gar nicht gut findet er die Idee der Kommission zur Trennung von Stromproduktion und Netzbetrieb, die anvisierten Emissionsreduktion bei Autos sowie das Einbeziehen der Energieintensiven Industrie in den Emissionshandel. Unerwähnt lässt Glos hingegen, dass Deutschland eine halbe Milliarde Euro aus dem neuen Klimaschutzförderprogramm der EU enthält.

Dass auch Gabriel gegen die „industriefeindliche“ Auto-Politik Brüssels zu Felde zieht und den Neubau von Kohlekraftwerken befürwortet, es also kaum einen Unterschied bei den großen Parteien gibt, liegt an der engen Verflechtung von Politik und Energiewirtschaft, die wir in unserem factsheet Politikverflechtung etwas ausführlicher beleuchtet haben. Mit der Schaffung von Abhängigkeiten entsteht ein Kartell fossiler Energieunternehmen, die mit allen Mitteln an der Erhaltung etablierter Strukturen festhalten. Diese Enegieoligarchie zu brechen, muss ein zentrales Anliegen unserer politischen Forderungen sein. Dass Glos nun schon über den Widerstand gegen neue Kohlekraftwerke jammert zeigt, dass die kritische Masse den Hebel schon mal an der richtigen Stelle angelegt hat!

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Der Emissions-Bazar (2): Grund für ein Einkommen?

19. Februar 2008

Letzte Woche hatten wir über die CO2-Kreditkarte berichtet, ein Ansatz zur kompletten Individualisierung des Klimaproblems. Dass der Emissionshandel zukünftig aber auch eine ganz andere Rolle spielen könnte, zeigt ein Konzept des ILSR aus Minnesota. Read the rest of this entry ?

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Der Emissions-Bazar (1): Die CO2-Ich-AG

15. Februar 2008

Momentan wird der Emissionshandel wieder einmal hoch gehandelt. In Brüssel tobt eine Schlacht um die Frage, ob es der europäischen – insbesondere der deutschen – Industrie zuzumuten wäre, ihre Emissionen um 20% bis 2020 zu reduzieren und die Emissionsrechte zu ersteigern. Wie auch immer man zum Prinzip Emissionshandel steht, man kann nicht von der Hand weisen, dass eine hundertprozentige Versteigerung der Emissionsrechte ganz realpolitisch einen Sieg für den Klimaschutz bedeuten würde.

Dass aber auch eine grundsätzliche kritische Auseinandersetzung mit dem Emissionshandel notwendig ist, zeigen zwei kürzlich veröffentlichte Konzeptpapiere. Read the rest of this entry ?

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Der Klima-Lügendetektor

15. Februar 2008

Schonmal geärgert über dreiste Klimalügen von Politik und Konzernen? Seit Anfang des Jahres gibt es nun den Klima-Lügendetektor. Ein Team von Journalisten von Greenpeace-Magazin, Zeit, taz u.a. fühlen den vermeintichen Klimarettern auf den Zahn. Ein echter Lesetipp!

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Bob der Baumeister

13. Februar 2008

Bob baut. Bob baut an einer neuen und besseren Welt, er ist Architekt einer Welt, in der Klimawandel, Armut und Hunger Fremdwörter sind. Allerdings hat sich Bob schlechten Kies für die Grundfesten seines neuen „House of Brains“ liefern lassen. Denn Bob Geldorf kann zwar Rocken, aber vom Fach ist er eben nicht.

Bob der Baumeister

Bob Geldorf hat sich mit dem Sponsor des diesjährigen Cinema for Peace einen Bärendienst erwiesen. Bei dieser Veranstaltung, die Jahr für Jahr zur Berlinale statt findet, überreicht seine Majestät Bob „Oscars with Brains“ an besonders kritische Filmemacher und Künstler. Leider hat Bob dieses Jahr sein Brain gleich mit verschenkt. Nur das kann der Grund sein, weswegen auf den Werbeplakaten Sponsor BMW mit dem Slogan BMW CleanEnergy werben darf. Bob hat da nicht richtig hingeschaut, denn BMW befindet sich im europaweiten CO2-Ranking auf dem vorletzten Platz – und ist sich nicht zu blöd, dennoch mit dieser umwerfend neuen Antriebstechnik zu werben und gleichzeitig gegen die Brüsseler Klimaschutzpläne zu Felde zu ziehen.

CleanEnergy beschreibt dazu noch eine Produktreihe, die es trotz über 30 Jahren Forschungstätigkeit immer noch nicht bis zur Serienreife gebracht hat: Das Wasserstoffauto von BMW gibt es bisher ganze 100 mal auf der Erde. Im Jahr 2007 verkaufte BMW dagegen 1,5 Millionen konventionelle PKWs. Zum Vergleich: das ist in etwa so, als würde eine Baufirma mit neuem Kies werben, der aus Gold besteht. Bei näherer Betrachtung allerdings ist nur einer von 15000 Kiessteinen aus Gold…

BMW erweckt also den Eindruck, als könne jeder normalsterbliche Mensch die neue Technik schon in Form eines Autos erwerben, was mitnichten der Fall ist. Bisher werden die Autos nur zu Werbezwecken eingesetzt. Und Bob der Baumeister lässt sich gleichzeitig gerne Kies für sein Haus spendieren – wie viel, dass konnte oder wollte übrigens keiner der Beteiligten sagen.

Beim nächsten brain-drain in einem Jahr wird sicher die energieintensive Zementindustrie mit Clean-Zement – nur ein Cent werben und Bobs Haus-Wände bauen. Dann fehlt nur noch das Dach und fertig ist die Laube.

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Karneval auf schwedisch

9. Februar 2008

Ob in Schweden auch Karneval gefeiert wird, weiß man nicht. Ist wohl eher unwahrscheinlich. Man kann daher nur vermuten, dass Vattenfall sich mit seinem besonderen Programm in dieser Woche an die hiesigen Gebräche anpassen wollte. Mit einem beeindruckenden Feuerwerk im Pannenreaktor Krümmel wurde der Rosenmontag fulminant eröffnet. In seiner mit unterhaltsamen Kalauern gespickten Büttenrede erklärte ein Vattenfall-Sprecher, es gebe keine Anzeichen, dass dadurch das Wiederanfahren des Pannenreaktors in Gefahr sei. Puh Ha, Glück gehabt, war also alles nur ein Scherz.

Am traditionellen Aschermittwoch näherte sich Vattenfall dann dem humoristischen Niveau der deutschen Politik an (Zitat Beckstein: „Die rot-blutrote Koalition in Berlin ist pfui Teufel.“ Höhö..), und verkündete völlig ironiefrei den Start einer Klima-Akademie in Brandenburg. Schön, dass unsere lieben Kleinen endlich lernen, wie der globalen Erwärmung beizukommen ist – und das immerhin von Europas CO2-Emittent Nummer zwei!

Zum Beginn der Fastenzeit am Donnerstag wird dann noch einmal richtig auf den Putz gehauen. Vattenfall Europe legt seine Zahlen für 2007 offen. Der Gewinn konnte nochmals um 2,7 % auf etwa 3,03 Mrd. Euro gesteigert werden. Verantwortlich dafür ist unter anderem das überraschend gute Deutschlandgeschäft – trotz stillstehender Meiler und 250.000 verlorener Kunden. Der Grund: die „Ausnutzung der Produktionskapazität im Bereich Kohlekraft“ und der im europäischen Vergleich sehr hohen Strompreise in Deutschland.

Das mag ich ja so am Karneval: Diese schonungslose Ehrlichkeit! In den närrischen Tagen gibt man gerne schon mal zu, dass man auf anderer Leute Kosten immense Gewinne einstreicht…