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Der Emissions-Bazar (1): Die CO2-Ich-AG

15. Februar 2008

Momentan wird der Emissionshandel wieder einmal hoch gehandelt. In Brüssel tobt eine Schlacht um die Frage, ob es der europäischen – insbesondere der deutschen – Industrie zuzumuten wäre, ihre Emissionen um 20% bis 2020 zu reduzieren und die Emissionsrechte zu ersteigern. Wie auch immer man zum Prinzip Emissionshandel steht, man kann nicht von der Hand weisen, dass eine hundertprozentige Versteigerung der Emissionsrechte ganz realpolitisch einen Sieg für den Klimaschutz bedeuten würde.

Dass aber auch eine grundsätzliche kritische Auseinandersetzung mit dem Emissionshandel notwendig ist, zeigen zwei kürzlich veröffentlichte Konzeptpapiere. Sie machen deutlich, in welch unterschiedliche Richtungen man den Emissionshandel perspektivisch weiterdenken kann – mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

Die Aachener Stiftung stellt sich als Erweiterung des EU-Emissionshandels die individuelle CO2-Kreditkarte vor, auf die jede Verbraucherin ihr persönliches jährliches CO2-Kontingent gutgeschrieben bekommt. Wenn man dann an der Tankstelle Benzin kauft, wird auch was von der CO2-Card abgebucht. Begründung: der bisherige Emissionshandel umfasst nur etwa 45% der Emissionen. Und nur eine individualisierte Betrachtungsweise bringt uns langfristig zum 2t/Kopf-Ziel. So charmant es auch klingt, ist die Idee doch ziemlich absurd. Gesellschaftliche Strukturen, die den Wandel zu nachhaltigen Konsum behindern, kommen werden völlig ausgeblendet. Um beim Beispiel Tankstelle zu bleiben: Natürlich entsteht ein Anreiz, weniger zu tanken, wenn mein CO2-Guthaben ins Minus zu rutschen droht. Aber wenn gleichzeitig die Bahn privatisiert und die Strecken stillgelegt werden, dann komme ich anders nicht zur Arbeit. So werden gesellschaftliche Missstände auf den Einzelnen abgeschoben, das Klimaproblem individualisuert: die Ich-AG jetzt auch im Klimaschutz! Von dem bürokratischen Aufwand und der Datensammelei, die damit verbunden wäre, ganz zu schweigen.

Sicher ist vieles in der Aachener Studie noch Zukunftsmusik. Doch schon seit 2006 gibt es im Emsland ein Pilotprojekt mit 150 Haushalten, die an einem individuellen CO2-Handel teilnehmen. Und in Großbritannien ist die Diskussion schon so weit gediehen, dass sogar die staatliche Umweltbehöre eine Machbarkeitsstudie dazu erstellen ließ, nachdem der damalige britische Umweltminister David Miliband sie in sein Programm aufnahm.

Wer jetzt den Emissionshandel als realpolitisches Maß der Dinge feiert, sollte sich also im Klaren sein, dass damit Utopien verbunden werden, die alles andere als einen gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturwandel im Sinn haben.

Dass man den Emissionshandel auch in eine ganze andere, progressivere Richtung weiterdenken kann, das zeigt das zweite Konzeptpapier, welches im 2. Teil unserer losen Serie zum Emissions-Bazar vorgestellt wird. Mehr dazu in der nächsten Woche.

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8 Kommentare

  1. […] gehört der Himmel? Das Klima in der Globalisierungsfalle « Der Emissions-Bazar (1): Die CO2-Ich-AG Der Emissions-Bazar (2): Ein Einstieg ins Grundeinkommen? 19. Februar 2008 Letzte Woche […]


  2. Ich kann die danze Nachhaltigkeitsscheisse nicht mehr hören!
    So diente die Inquisition der vorsorglichen und nachhaltigen Beseitigung Andersdenkender. Die Indianer in Nordamerika wurden vorsorglich und nachhaltig aus ihren angestammten Regionen mit brutaler Gewalt vertrieben. Die Überlebenden wurden nachhaltig in bewachte „Reservate“ gesperrt. Die Kommunisten trieben aus lauter Vorsorge Millionen von vermeintlich unbotmäßigen Menschen nachhaltig nach Sibirien in Lager und in den Tod. Die braunen Weltbeglücker setzten dem ganzen dann unter dem Mantel eines nationalen Sozialismus noch die Krone auf. Sie wollten es eben nachhaltiger als die Anderen machen.


  3. Also Ihr seit mir ja eine Truppe „à la Merkwürden“!?
    Da tönt Ihr gegen die Ungerechtig.- und Schlechtigkeit der Welt an die angeblich nur aus den Vorstandsetagen der Multis dieser Welt kommt und jetzt das? In einer geradezu „chamäleonartigen“ Wandelungsfähigkeit, die einen altgriechischen Sophisten vor Neid erblassen lassen würde, versucht Ihr die Menschheit auf die kommende Abzocke vorzubereiten, die ein gewisser Dr. Richard Sandor, Gründer und Vorsitzenden der „Chicago Climate Exchange“ bereits 1992(!!!) gegenüber dem Wall Street Journal äußerte:

    „Luft und Wasser sind nicht mehr die freien Güter, wie sie in der Wirtschaft einmal als gegeben galten. Sie müssen als Eigentumsrechte neu definiert werden, damit sie effizient zugeteilt werden können.“

    Dieser „ehrenwerte“ Doc Sandor war neben anderen Tätigkeiten auch Direktor der Chikagoer Börse und Geschäftsführender Direktor von Kidder Peabody und hat dort die sog. verbrieften Hypothekenkredite(CMOs) mit kreiert, die Vorläufer der jetzt kollabierenden innovativen Immobilienhypotheken, die z.Z. millionen Menschen um ihr Hab und gut bringen.

    Noch eine Frage zum Klimawandel sei mir erlaubt: wie schützt man eigentlich eine Statistik deren Ausgangswerte täglich neu ermittelt werden müssen?

    mfg


  4. Müssen wir uns den braunen Müll von diesem Laien wirklich anhören? Kann man den durch attac nicht einfach löschen lassen? Was hat der Emissionshandel, was hat Nachhaltigkleit mit „braunen Weltbeglückern“ zu tun?


  5. Zyniker,

    haben Sie es nötig, in zahlreichen Foren diesen selben Textblock zu posten? Trolle können wir hier nicht brauchen!

    Sie machen Ihrem Pseudonym alle Ehre, wenn Sie Klimaschutz mit Abzocke gleichzusetzen. Trittbrettfahrer gibt es überall, das ändert aber nicht daran, dass konsequente Klimaschutzpolitik dringend notwendig ist.

    Ein ähnliches Früchtchen scheint mir dieser Laie zu sein. Auch den habe ich schon in mehreren Foren mit diesem selben abartigen Textblock trollen gesehen. Man muss wahrlich schon verquer sein, um derartige Zusammenhänge zu konstruieren. Der will uns hier wohl alle in die reche Ecke stellen.

    Doch zum Thema Emissionshandel:

    Wie ich vor einigen Tagen gelesen habe, bröckelt Japans Anti-Klima-Front. Der fünftgrößte Treibhausgas-Produzent der Welt wird wahrscheinlich bald ein Emissionshandelssystem nach EU-Vorbild einführen. Die mächtige Wirtschaftslobby Japans, bislang in lautstarker Opposition zu verpflichtenden Obergrenzen für Kohlendioxid, hat ihre Position in den vergangenen Tagen überraschend revidiert und so den Weg für die Politik freigemacht. Bald stehen die USA ganz alleine da – zumindest bis zur nächsten Präsidentschaftswahl. Barack Obama zumindest hat schon angekündigt, die Klimapolitik der USA grundlegend zu ändern, sollte er neuer Präsident werden.


  6. Ja, wen haben wir denn da? Eine auferstandene Halbgöttin, die auch sogleich der neuen „Religion“ anhängt. Bevor Sie hier weiter missionieren und die Grundlage menschlichen Lebens verteufeln, hätten sie die Güte mir meine Frage zu beantworten:

    „Wie schützt man eigentlich eine Statistik deren Ausgangswerte täglich neu ermittelt werden müssen?“

    Zu Ihrer Frage sei angemerk(el)t: wenn es denn sachlich zum Thema paßt, poste ich es!

    Btw:

    Zyniker = Ein Schuft der die Wahrheit so sieht wie sie ist, nicht wie sie sein sollte!


  7. @Zyniker

    Hängt man einer „neuen Religion“ an, wenn man die Folgen der anthropogen bedingten Klimaerwärmung ernst nimmt?

    Will man „missionieren“, wenn man Klimaschutzmaßnahmen anmahnt?

    Will man die „Grundlagen menschlichen Lebens verteufeln“, wenn man auf Probleme bei den CO2-Emissionen hinweist?

    Nachdem uns der Laie in eine Ecke mit Nationalsozialisten stellen wollte, stellen Sie uns jetzt in eine Ecke mit sektiererischen Glaubensbrüdern. Können die „Klimaskeptiker“, zu denen der „Laie mit dem großen Interesse“ und auch Sie offenbar gehören, nicht ordentlich argumentieren und vernünftig mit Andersdenkenden umgehen? Könnte es nicht sein, dass es abseits von Links und Rechts, abseits von Sektierern und Ideologen auch noch wissenschaftlich begründete Sachargumente gibt, die sie anthropogenen Klimaveränderungen begründen und zur Sorge Anlass geben?

    Die Klimaskeptiker hier und anderswo können anscheinend nicht sachlich mit diesem Thema und den Menschen, die sich damit befasen umgehen! Offenbar sind Ihnen die Sachargumente ausgegangen!


  8. Zurück zum Thema individueller Emissionshandel:
    Macht doch bitte mal halblang mit Eurer Kritik. Denn ein individueller Emissionshandel mit der Ausgabe der Emissionsrechte an die Bürger ist ökonomisch nichts anders als eine Ökosteuer mit Recycling der Einnahmen an die einzelnen Bürger. So was hatten wir in den 90ern als Ökosteuer mit Ökobonus diskutiert. Und die Ökosteuer hatte ich bisher von den Attacies noch nicht als Ausgeburt des Neoliberalismus attackiert gesehen.

    Ich finde diese CO2-Card Idee jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, halte sie für zu aufwändig und auch wirklich datenschutzrechtlich für problematisch. Aber man braucht sie deswegen nicht gleich zu dämonisieren.



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