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Der Emissions-Bazar (2): Grund für ein Einkommen?

19. Februar 2008

Letzte Woche hatten wir über die CO2-Kreditkarte berichtet, ein Ansatz zur kompletten Individualisierung des Klimaproblems. Dass der Emissionshandel zukünftig aber auch eine ganz andere Rolle spielen könnte, zeigt ein Konzept des ILSR aus Minnesota.

Die Idee: Emissionsrechte werden versteigert und können danach gehandelt werden. Allerdings mit zwei erheblichen Unterschieden gegenüber herkömmlichen Ansätzen. Erstens werden die Emissionszertifikate so weit wie möglich „Upstream“, also am Beginn des Energieproduktionsprozess nötig. Nicht wer Energie produziert, sondern bereits wer fossile Energiequellen importiert (z.B. Öl) oder aus der Erde holt (z.B. Braun- und Steinkohle), braucht ein Zertifikat. Die Verknappung beginnt so möglichst direkt an Beginn der Kette und setzt damit frühzeitig Anreize zum gesellschaftlichen Strukturwandel – anders als bei der CO2-Karte, die erst beim Konsumenten einsetzt. Zweitens verschwindet der Erlös der Versteigerung nicht in der Staatskasse, sondern wird als individuelle Sozialdividende an jede/n Einzelne/n ausgezahlt – gemäß: Der Himmel gehört uns allen, und wenn jemand ihn als Müllkippe nutzt, dann muss er uns dafür bezahlen.

Aus Sicht der Autoren hat es zwei Vorteile, wenn das Geld direkt und bedingungslos ausgezahlt wird: Der Erlös kann zum einen nicht in dubiose Klimaschutztechnologien der Industrie fließen, die oft priviligierten Zugang zu staatlichen Geldern genießt. Zum anderen hat die Sozialdividende umverteilende Wirkung, wie eine Modellrechnung am Beispiel des Staates Minnesota zeigt. Damit wäre der grundlegende Nachteil einer jeden Strategie, die Ressourcen teurer machen will, behoben, nämlich die soziale Schieflage – Arme und Reiche zahlen gleichermaßen drauf. In Zeiten von Hartz IV nicht nur moralisch, sondern auch von der Durchsetzbarkeit her wichtig.

Der Nachteil ist natürlich, dass somit kein zusätzliches Geld zur Verfügung steht, um Klimaschutz zu betreiben. Aber interessant ist der Gedanke allemal, über die Verteuerung von Ressourcen den Einstieg in ein bedingungsloses Grundeinkommen wagen.

Mehr zum Emissionshandel in der nächsten Woche…

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One comment

  1. Hallo, das ISLR-Konzept ist kein neues. Es ist einfach das Sky Trust Konzept von Peter Barnes. Anyway, ich sehe ehrlich gesagt ökonomisch zwischen upstream und downstream-Konzepten keinen großen Unterschied (upstream: fossiler Kohlenstoff braucht beim Import ein CO2-Zertifikat, downstream: erst beim Ausstoss in die Atmosphäre). Das ist nur eine Frage der Praktikabilität, und da spricht sicherlich einiges für upstream Konzepte.
    Wie man das Sky Trust Konzept als Reformperspektive des EU Emissionshandels angehen kann, das erläutert ein Artikel den ich mit Peter Barnes geschrieben habe:
    http://www.boell.de/alt/downloads/oeko/EU_Sky_Trust_deutsch.pdf



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