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E-on auf Schmusekurs?

4. März 2008

E-on – Deutschlands größter Energieversorger – hat am vergangenen Donnerstag überaschend angekündigt sein Hochspannungsnetz und Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 4800 Megawatt verkaufen zu wollen. Bisher ließ der Energieriese immer verlauten, dass das Netz integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sei und ein Verkauf nicht zur Debatte stehe.

Die Trenung von Stromnetz und Erzeugung wird auch von der EU-Kommission gefordert. Diese hatte ein Kartellverfahren gegen E-on angestrengt, welches nun auf energieriesen4.jpgGrund der Zusagen des Konzerns fallengelassen werden soll. Auch die drei anderen Energieriesen – Vattenfall, RWE und EnBW – stehen unter Druck. Doch wie gut das es unsere Bundesregierung gibt, denn die hat ein Herz für Energieriesen. In Brüssel setzt sich die Bundesregierung für einen „dritten Weg“ ein, welcher vorsieht, dass das Netz lediglich von einer anderen Organisationseinheit innerhalb des selben Konzerns kontrolliert werden muss. Eine wirkliche Trennung von Netz und Stromerzeugung würde dies nicht bedeuten.

Die Ankündigung E-ons nun doch sein Netz zu verkaufen, wird daher auch so interpretiert, dass der Konzern der Initiative der Bundesregierung in den Rücken fällt. Hintergrund für diese Entscheidung dürften jedoch überwiegend betriebswirtschaftliche Erwägung des Konzerns sein. Der Konzern fürchtet wohl hohe Investitionskosten zur Instandhaltung des veralteten und vernachlässigten Netzes, sinkende Renditen im Netzgeschäft oder möchte sich durch dieses Vorgehen von der Last des Kartellverfahrens befreien und sich auf dem europäischen Strommarkt neu positionieren. Im Handelsblatt wird E-ons Ankündigung daher als Befreiungsschlag gefeiert.

Doch was bringt die Ankündigung E-ons wirklich? Die Veräußerung von Kraftwerken ist nur nur dann positiv zu bewerten, wenn sich anstelle dessen nicht ein anderer Energieriese einkauft. Gleiches gilt für den Verkauf des Netzes. Was hilft es uns, wenn nun z.B. Gazprom in das Geschäft des Netzbetriebs einsteigt und ebenfalls nur auf kurzfristige Renditen schielt und Mensch und Umwelt wieder auf der Strecke bleiben? Die Diskussion innerhalb der Parteien über den Umgang mit der neuen Strategie des Energiekonzerns ist bereits im Gange. Einen guten Überblick über die unterschiedlichen Positionen gibt auch ein Artikel in der Zeit.

Attac fordert die Übertragungsnetze und die lokalen Verteilernetze in öffentliche Hände zu überführen, eine demokratische Kontrolle durch die Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten sowie die Veraatomi.jpgnkerung sozialer und ökologischer Ziele in einem künftigen öffentlichen Netzunternehmen. Die Strukturen des Energiemarktes müssen so verändert werden, dass auch kleinere Unternehmen eine Chance haben, Menschen über Profite gestellt werden und fossile Energieträger sowie die Atomenergie so schnell wie möglich vom Markt verdrängt werden.

Unter dem Motto „Power to the People“ hat attac Anfang des Jahres eine bundesweite Kampagne gegen RWE, E-on, Vattenfall und EnBW gestartet. Mehr Informationen zur Kampagne gibt es hier.

Satirisch erklärt „Die Sendung mit dem Klaus“ was eigentlich Enrgieriesen sind. Und wer noch mehr Lust auf Satire hat, lässt sich von Atomi erklären warum Atomkraft was gaaaaaanz tolles ist.

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One comment

  1. E-On auf Schmusekurs!
    Je nachdem welch politischen Standpunkt man hat und welche Wertevorstellungen man hat, wird einem die Ankündigung von E-on erfreuen oder erschrecken oder gleichgültig lassen.
    Vertritt man wie ich die Überzeugung, dass Stromerzeugung und Stromverteilung in öffentliche Hand gehören, ist man von dieser Ankündigung nicht sonderlich berührt. Irgendwo ist es ja gleichgültig, wer den Profit einsteckt. Interessant wird diese Ankündigung nur in dem Fall, wenn die betroffenen (Landes-)Regierungen die Stromnetze wieder in Allgemeinbesitz nehmen. Dann kann man als betroffener Bürger wieder die Hoffnung haben, dass das Netz in gutem Zustand mit entsprechender Netzkontrolle gehalten wird. Seit der Privatisierung der Energiewirtschaft wurde an den Stromnetzen ja nur das Allernötigste gemacht – wie die immer häufiger auftretenden Stromausfälle (auch bei ruhigen Wetterlagen) zeigen. Bei einer Rückgabe an die Länder wird in diese endlich wieder Geld investiert. Keine Regierung kann es sich erlauben, für Stromausfälle gerade stehen zu müssen.
    Privatunternehmen haben nun mal als Hauptziel: ‚Gewinnmaximierung‘! Da wo man einen richtigen Wettbewerb erreichen kann (Lebensmittelindustrie, Kleidung, Elektrogeräte …) sind die Unternehmen natürlich gezwungen auf Kundenzufriedenheit und günstige Preise zu achten – sonst gehen sie ‚unter‘. Aber Stromerzeuger und –Vertreiber? Strom ist Strom – da merkt man keinen Unterschied – außer beim Preis und ob er ankommt. Der angebliche Wettbewerb auf dem Strommarkt ist doch keiner. Schaut man sich mal die Besitzverhältnisse an, stellt man fest, dass die ‚Billiganbieter‘ irgendeinem der ‚großen‘ Konzerne gehören. Und nach Ablauf einer ‚Schamfrist‘ werden die Preise angeglichen. Und um Kundenzufriedenheit muss man sich nicht kümmern. Sollte der Strom mal nicht ankommen, waren es entweder ‚nicht zu verantwortende‘ Umstände oder der Netzbetreiber ist schuld.
    Richtiger Wettbewerb ist also in der Energiewirtschaft das Problem. Hier müssen sich die Fachleute mal überlegen, ob dieser wirklich möglich ist und nicht nur eine Wunschvorstellung der Wirtschaftslobbyisten ist. Man kann als Kunde zwar den Lieferanten wechseln, aber die (elektrischen) Leitungen sind doch die gleichen. Hatten die Väter der Bundesrepublik die Energiewirtschaft grundlos zu einer staatlichen Aufgabe gemacht?



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