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Ich sehe den Wald vor lauter Autos nicht

5. März 2008

Eine neue Studie im Auftrag der Europäischen Umweltagentur fährt Sigmar Gabriel in die Parade: Die Forscher sehen im Verkehrssektor ein Haupthindernis beim Erreichen der Kyoto-Ziele. Dieser Sektor wachse nämlich überproportional stark und werde momentan auch nicht durch technische Innovationen auf einen umweltfreundlicheren Pfad gelenkt. Insbesondere hat die freiwillige Selbstverpflichtung der europäischen Autobauer seltsamer Weise nicht zu den geplanten Zielen geführt.

Professor McGlade, der die Studie mitverfasst hat, rät denn auch zu sofortigen Maßnahmen: „Der Verkehr war zu lange ein Trittbrettfahrer bei der Bekämpfung der Erderwärmung und der Kohlenstoffemissionen (…).Wir können weniger effiziente Verkehrsarten nicht weiter privilegieren“. Genau das sehen aber einige Politiker und die deutschen Autobauer ganz anders: Gabriel setzt sich zusammen mit Merkel für weniger strenge Grenzwerte bei der EU Kommission ein und Porsche sieht den Lebensstil seiner reichen Kunden in London durch eine höhere Maut gefährdet.

Natürlich muss den Autokonzernen nach ihrer gescheiterten Selbstverpflichtung mit strengen Grenzwerten begegnet werden. Während also die EU-Umweltminister (unter ihnen auch Auto-Gabriel) in Brüssel über Regeln zur Senkung des Spritverbrauchs von Neuwagen beraten, hat der BUND schon ein Konzept für europäische Verbrauchs-Limits bei PKWs vorgelegt. Dieses nimmt vor allem die schweren Premium-Segmente ins Visier, hier werden empfindliche Strafen fällig. Was die EU allerdings letztlich festlegen wird, bleibt abzuwarten. Das Treffen der EU-Umweltminister ging erst mal ergebnislos zu Ende.

Autos, Autos, Autos. Mal mit mehr, mal mit weniger CO2-Ausstoß. Was über diesen Zirkus hinaus endlich notwendig wäre und worüber in Zeiten einer möglichen Bahnprivatisierung nicht gern geredet wird, ist ein massiver Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, um die strukturelle Vormachtstellung des Autos zu brechen. Im Nahverkehr muss die Taktung der Verbindungen erhöht und strecken erweitert werden. Gleichzeitig muss das Preisniveau gesenkt werden, um eine echte Alternative zum Auto zu werden. Erst recht in Zeiten steigender Ölpreise keine unmögliche Forderung. Und die Bahn als Fernverkehrsmittel muss auch dem öffentlichen Wohl dienen – nicht den großen Taschen einiger Aktionäre. Die Konkurrenz zu den Billigfliegern könnte leicht mit einer längst überfälligen Kerosinsteuer und der Einbindung in den Emissionshandel auf faire Ausgangsbedingungen gestellt werden. Kurzum: Etwas mehr gedankliche Turnübungen und Kreativität ist den sogenannten „Entscheidungsträgern“ schon zu wünschen, denn das Auto ist wahrlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

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