h1

Klimaschutz toppt jedes Wachstums-Beschleunigungs-Gesetz

6. Dezember 2009

Konzerne entdecken ihre Liebe zum Kopenhagener Klimagipfel

Der Bund der deutschen Industrie, BDI, forderte jüngst strenge Klimaschutzbeschlüsse in Kopenhagen. Es sind etliche deutsche Unternehmen, die auf hohe Exportgewinne hoffen, wenn alle Welt deutsche Klimatechnologie nachfragt. An „Klimagerechtigkeit“, wie die globalisierungskritische Bewegung sie fordert, denken die Industrievertreter dabei nicht. Denn diese Forderung ist verbunden mit kostenlosem Technologietransfer und ermöglichst somit keine Traumrenditen mit patentiertem Wissenschatz. Für die Klimatechnologie, die die armen Länder jetzt brauchen, weil wir den Klimawandel so erfolgreich angeheizt haben, sollten sie nach den Plänen der deutschen Wirtschaft tüchtig zahlen.

Schon zum ersten Tag des Gipfels will der Bundesverband der Pflanzenzüchter (BDP) am Montag die Kopenhagener Delegationen auf die segensreichen Möglichkeiten der hochtechnologisierten Pflanzenzucht und insbesondere der Gentechnik aufmerksam machen.

Es soll schön klingen, was das Informationszentrum Landwirtschaft im Internet verkündet: „Die Züchter arbeiten an neuen Sorten, die unter widrigen Bedingungen möglichst stabile Ernten liefern und Klimaextremen, wie Hitze, Trockenheit und Starkregen trotzen. Zudem können Pflanzenrohstoffe in unterschiedlichster Form Träger für Bioenergie und sonstige chemische Grundstoffe sein.“

Hoffentlich haben die Adressaten dieser Lobby-Offensive ihre Hausaufgaben gemacht: Auf unserem Planeten hungert zur Zeit jeder sechste Erdenbürger – obwohl mehr als genug Nahrung für alle angebaut wird. Der Klimawandel wird eine Herausforderung für die Nahrungsversorgung der Zukunft sein.

Beide Tatsachen erfordern politisches Handeln. Wir brauchen in Kopenhagen keinen weiteren Schauplatz für Gentechnik-Werbung. Nötig sind wirksame Schritte zur Begrenzung des Klimawandels, denn in vielen Ländern führen schon die jetzigen Temperaturerhöhungen zu dramatischen Problemen. Und wir kommen nicht herum um neue Strategien, die existenzielle Verteilungsfragen wirklich anzugehen. Die Gentechnikpäpste sind an beiden Aufgaben nicht interessiert. Verspricht doch der Klimawandel Bedarf an neuen Pflanzensorten und bedeutete doch die unreflektierte Wachstums- und Massenproduktionsideologie schon in der Vergangenheit sichere Einkünfte (ohne den Hunger zu besiegen).

Die Hardcorelobbyisten hören auch lieber weg, wenn der Weltagrarrat davor warnt, dass dem Hunger mit der Gentechnik nicht beizukommen sei.

Statt dessen ergänzt der BDP seine Werbeveranstaltung noch um das gewinnträchtige Ressort

„Energiepflanzen“. Nach der durch Mais-Hunger der mit Agro-Sprit betankten Autos ausgelösten ‚Tortilla-Krise‘ in Mexico und angesichts der neuen Hungernden-Zahlen ist das Zynismus pur.

Zumal die Weltwasserkonferenz im August letzten Jahres in Stockholm mahnend feststellte: Es gibt nicht genug verfügbares Süßwasser, um Energiepflanzen und Nahrungspflanzen in den erforderlichen Mengen zu produzieren.

Quellen:

BDI-Aufruf: http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article5250725/Deutsche-Industrie-pocht-auf-verbindliches-Klimaschutz-Abkommen-in-Kopenhagen.html

BDP-Verlautbarung: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/agrar_news_themen.php?SITEID=1140008702&Fu1=1260014468

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: