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Ein Wald und lauter Bäume

10. Dezember 2009

Mit dem Slogan „No Redd!“ zog heute während der Mittagspause ein lautstarker Demonstrationszug durch das Konferenzzentrum in Kopenhagen. Doch hier wurde nicht etwa gegen eine Farbe demonstriert (tatsächlich ist hier alles ziemlich grün, von rot kaum eine Spur). Bei REDD handelt es sich um eine der vielen Abkürzungen, die ziemlich entscheidend für die Verhandlungen sind (Nebenbei, mein „Acronym of the day“ ist die „AWG-KP CG“…). Worum geht es also genau?

REDD steht für „Reducing Emissions through Deforestation and Degradation“. Will heißen: Der Norden will die Entwicklungsländer dazu verpflichten, ihren Regenwald zu schützen – denn das schützt ja auch das Klima. Den Anreiz dafür soll ein ziemlich komplizierter Finanzierungsmechanismus schaffen, nach dem sich waldreiche Staaten für die Nichtabholzung von Bäumen Zertifikate anrechnen lassen können. Diese können dann an den Norden verkauft werden. Der Norden wiederum kann sich diese Nichtabholzung als Emissionsreduktion anrechnen lassen kann. Dafür kann dann z.B. ein Kohlekraftwerk stehen gelassen werden. Das ganze ist also wieder einmal ziemlich typisch für den Kyoto-/Kopenhagenprozess: 1. Es muss auf Teufel komm raus ein Markt geschaffen werden, auf dem Zertifikate gehandelt werden können. 2. Es werden mit ziemlicher Sicherheit Schlupflöcher kreiert, die der Norden nutzen kann, um sich von lästigen Veränderungen freizukaufen. 3. Und es ist alles ziemlich kompliziert. Momentan liegen etwa 20 Vorschläge auf dem Tisch ziemlich typisch. Keiner blickt mehr so richtig durch.

Abgesehen davon stößt der Vorschlag bei vielen Gruppen aus dem Süden auf keine besondere Begeisterung. Schließlich ist für viele Menschen ein Wald mehr als ein Kohlenstoffspeicher – Lebensraum, Nahrungsquelle und Kulturraum etwa. Außerdem ist Wald nicht gleich Wald bzw. Eukalyptusplantage nicht gleich Regenwald. All dieser würde der marktbasierte und technokratische Ansatz von REDD nicht berücksichtigen – er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Das alles hindert unseren frisch gebackenen Nobelpreisträger Barack Obama nicht daran, REDD gut zu finden. Und verraten hat er sich dabei auch noch. Wie er nach der Preisverleihung heute sagte, findet er:

It’s probably the most cost-effective way for us to address the issue of climate change – having an effective set of mechanisms in place to avoid further deforestation and hopefully to plant new trees.

Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, nur auf Obama zu vertrauen, wie es so viele gerade zu tun scheinen…

Chris Methmann

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