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Der Krieg der Entwürfe

11. Dezember 2009

Mit dem gestrigen Tag hat hier in Kopenhagen endgültig der „war of drafts“ (Krieg der Entwürfe) begonnen. Neben dem zuerst durchgesickerten Dänischen Text liegen inzwischen auch Entwürfe von Tuvalu und Brasilien/Indien/China vor. Außerdem entsteht nun auch gerade ein Zahlenwerk aus den offiziellen Verhandlungen, was aber mehr ein Summe der einzelnen Angebote der Industrieländer ist. Es wird zusammen gezählt, was an Reduktionszielen aus dem Norden auf dem Tisch liegt. Wie gestern eine Delegierte aus Mikronesien vorrechnete, führt dies im schlimmsten Fall dazu, dass bis 2020 bis zu 4% mehr (!) CO2 emittiert werden dürfte. Momentan wird sich stundenlang darüber gestritten, ob man sich auf ein gemeinsames Basisjahr wird einigen können (was bis jetzt eigentlich 1990 war), auf das die Reduktionen bezogen worden. Angesichts dieses unglaublich langsamen Verhandlungstempos fragt man sich dann wirklich, was das hier eigentlich soll.

Tuvalu, das seinen Vorschlag im Namen der am meisten verwundbaren Länder eingereicht hat, hat dafür inzwischen ziemlich auf die Mütze bekommen. Von den Industrieländern wurde abgelehnt, dass das Ding überhaupt behandelt wird. Aber auch die Schwellenländer haben Angst, in die Pflicht genommen zu werden, weil Tuvalu auf einer Begenzung der globalen Erwärmung um 1,5°C besteht – das würde auch eine substantiellen Beitrag von Brasilien, China und Indien erfordern. Die indische „Economic Times“ ist denn auch empört, dass „ein Staat mit 10.000 Einwohnern die ganzen Verhandlungen blockiert“.

Der Entwurf der Schwellenländer wiederum ist zwar auch ambitioniert, was den Klimaschutz angeht, besteht aber auf dem Ausgleich der ökologischen Schulden der Industrieländer. Diese müssten viel stärkere Reduktionen vornehmen als bis jetzt vorgenommen. Auch der Tuvalu-Text lenke von dieser historischen Verantwortung ab.

Informell geht hier inzwischen das Gerücht, dass es am Ende nur zu einer politischen Absichtserklärung der größten Emittenten (in etwa die G20) herauskkommen wird, die sich gegenseitig ihre Angebote erzählen und sich feiern, dass endlich was getan wird. Es besteht damit die Gefahr, dass zum einen kein wirkliches Abkommen bei rauskommt, und zu anderen die UN damit als Verhandlungsforum diskrediert sind. Am Ende der ersten Verhandlungswoche sind die Aussichten also eher so mittel.

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