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Was ist Klimagerechtigkeit?

12. Dezember 2009

Der Eklat des „dänischen“ Textes besteht vor allem darin, dass hier das Kyotoprotokoll schon mal vorab zu Grabe getragen wird. Nicht nur die Industrieländer, sondern auch die Entwicklungsländer sollen verpflichtende Reduktionsziele beschließen. Dagegen steht die zentrale Forderung nach Klimagerechtigkeit: wenn pro Kopf nur noch zwei Tonnen Emissionen tragbar sind, dann sollen diese gerecht verteilt werden. Dementsprechend groß wären die Reduktionen in den USA (von 22 auf 2) und in Europa (von 11 auf 2). Dazu kommt aber noch die historische Schuld. Der Norden hat sich auf Kosten des Klimas industrialisiert und kann jetzt nicht dem Süden vorschreiben, sich wegen dem Klima nicht entwickeln zu dürfen. Martin Khor (früher Third World Network, jetzt Southcentre) argumentiert daher, dass der Norden nicht 50%, nicht 80% sondern 100% oder mehr Reduktionen vornehmen muss. Da dies praktisch nicht möglich ist, muss dies über massive Ausgleichszahlungen erreicht werden.
Mit dieser Forderung g nach Klimagerechtigkeit rückt das Netzwerk Climate Justice Now! den Nord-Süd Gegensatz ins Zentrum der Auseinandersetzungen in Kopenhagen. Die Verhandlungen innerhalb der Konferenz und die unterschiedlichen nationalen Interessen bezüglich Reduktionsziele und Finanzierung sind dabei die wesentlichen Punkte, auf die fokussiert wird. Das Third World Network fordert dabei bezeichnenderweise „Rettet das Kyotoprotokoll.“
Eine ganz andere Perspektive auf Klimagerechtigkeit formulierten Teilnehmer der Klimakarawane, die auf dem Weg vom WTO-Gipfel in Genf nach Kopenhagen in Köln Zwischenstopp machten. Für Aldo Arnao aus Peru beginnt Klimagerechtigkeit mit dem Respekt der intakten Gebiete der Indigenen und ein Stopp weiteren Abbaus fossiler Ressourcen, der dort eine zerstörte Umwelt und Armut zurücklässt. Mehr „Entwicklung“ im Süden, ist aus dieser Sicht keine tragbare Forderung. Badrul Alam von Via Campesina Bangladesch betonte, dass Klimagerechtigkeit für die herrschende Klasse in seinem Land vor allem Ausgleichszahlungen bedeutet, um die Machtstrukturen und Entwicklungsstrategien zu erhalten, die die Interessen der Bevölkerung entgegengesetzt sind.
Solche Positionen, aber auch die Ablehnung falscher Alternativen wie Agrosprit, werden innerhalb der Verhandlungen nicht vertreten. Hier eröffnet sich ein zweites Konfliktfeld zwischen den sozialen Bewegungen und ihren jeweiligen Eliten, die mit einer Verkürzung von Klimagerechtigkeit auf nationalstaatlichem Pokerspiel nicht erfasst werden. Ähnliches gilt für globalisierte Prozesse, in denen transnationale Konzerne ihre Produktion bspw. nach Südostasien oder China verlagern, um Umweltauflagen (wie z.B. Emissionsreduktionen) oder hohe Löhne zu umgehen.
Doch eine solche Kritik an die herrschenden Eliten im Süden und ihrer Kopie des Entwicklungswegs des Nordens stößt im CJN! auf teilweise schroffer Ablehnung. Ich bin gespannt, ob in den nächsten Tagen beide Perspektiven auf Klimagerechtigkeit – und die inside und outside Strategien – in produktiven Dialoge zueinander finden, oder sich zunehmend auseinander entwickeln.

Oliver Pye

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One comment

  1. cute! thank you.

    you can also read it in my car blog



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