Archive for the ‘Wachstum’ Category

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Klimaschützer im Konsumrausch

8. März 2008

Bei meinen Recherchen für einen Vortrag zu Klimawandel und Konsum bin ich über drei Dinge gestolpert, die mir zu Denken geben und die ich Euch nicht vorenthalten möchte

1. Der neue Trend aus den USA, von dem wahrscheinlich einige schon gehört haben, sind die LOHAS, also Menschen, die den Lifestyle of Happiness and Sustainability pflegen. Ihr Credo: Wer nicht konsumiert, verpasst es, unsere Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit zu lenken. Da liegt es nur nahe, dass auf Internetplattformen wie lohas.de auch Autos wie der Lexus RX 400h mit Hybridantrieb gehypt werden. Nun können endlich auch SUV-Fahrer (s. Foto) ihr Gewissen beruhigen.

2. Am 2. April 2007 hat die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg eine Studie mit dem Titel „Klimawandel belebt Binnennachfrage“ veröffentlicht. Tenor: Das wachsende Umweltbewußtsein treibt den Konsum von nachhaltigen Produkten an.

3. Schaut man sich die CO2-Intensität unseres Wirtschaftens an, dann fällt auf, dass in vielen Industriestaaten die Menge CO2, die zur Erzeugung eines Dollars Bruttoinlandsprodukt aufgewendet werden muss, zwischen 1990 und 2004 deutlich gesunken ist – d.h.: Wir konsumieren immer nachhaltiger. Stellt man dem dieGesamt-CO2-Emissionen der Staaten gegenüber, ist die Bilanz allerdings enttäuschend: Wenn überhaupt, dann ist der Gesamtausstoß um deutlich weniger gesunken. Soll heißen: Wir konsumieren immer nachhaltiger, aber auch immer mehr. Wachstum frisst Nachhaltigkeit!

Irgendwie schräg, wenn angesichts dieser Zahlen der Klimawandel die Deutschen zu immer mehr Konsum antreibt, oder?

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Wachstum über alles?

4. Dezember 2007

reales-bruttoinlandsprodukt-deutschland-1950-2000.jpgGabriel setzt auf Wachstum, Merkel setzt auf Wachstum, Busch setzt auf Wachstum – damit die Anpassung an den Klimawandel kostenneutral bleibt. Wachstum scheint derzeit der Schlüssel zum Erfolg in Klimafragen zu sein; insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien betonen deutsche Politiker immer wieder die Vereinbarkeit von Klimaschutz und wirtschaftlichem Gewinn. In diesem Bereich mag das sogar stimmen.

Die zweite Seite der Wahrheit ist allerdings auch, dass mehr Wachstum erhöhten Energieverbrauch bedeutet. Durch technischen Fortschritt sank zwischen 1970 und 2000 der Energieaufwand pro erwirtschaftetem Dollar um 30 Prozent. Neuerdings kehrt sich dieser Trend um. Zu diesem Problem gesellt sich nun hinzu, dass immer mehr Energie aus der gar nicht so guten alten Kohle gewonnen wird – mehr als doppelt so schnell wie der Energieverbrauch stieg der Kohleverbrauch in den vergangenen vier Jahren.

 

Das bedeutet: Wenn nichts geschieht, haben wir im Jahr 2050 einen weltweit doppelt so hohen CO2-Ausstoß wie heute – eigentlich hätte er mindestens halbiert werden müssen. Das Wachstumsdogma gehört viel stärker hinterfragt als bisher – schließlich hat uns ja genau der mit Wachstum zusammenhängende Ressourcenverbrauch in die jetzige Lage gebracht.

Dennis Meadows, der vor knapp 40 Jahren mit dem Buch über die Grenzen des Wachstums eine Debatte über eben jene eröffnete, schildert ziemlich plastisch die Reaktionen auf seine These. Siebziger Jahre: Es gibt keine Grenzen. Achtziger Jahre: Es gibt Grenzen, doch die sind in weiter Ferne. Neunziger Jahre: Die Grenzen sind doch recht nah, aber Technik und Markt werden es schon richten. 2000: Leider haben Technik und Markt es nicht geschafft, aber mit mehr Wachstum werden wir es schaffen. Demnächst wird es heißen: Ging leider nicht. Aber jetzt ist es zu spät, etwas zu unternehmen…

Lassen wir es nicht so weit kommen – der erste Schritt ist der Klima-Aktionstag am 8.12.!